Sind unsere Daten sicher vor staatlichen Schnüfflern?

Geschrieben von am 2. November 2015 | Abgelegt unter Hanspeter Eberle

Ein neues Nachrichtendienstgesetz soll in der Schweiz kommen. Es soll die Staatsschnüffelei vorerst in den Bereichen Terrorismus und Kinderporno ermöglichen. Doch, einmal in Kraft, dürfte es nicht lange dauern, und salamirädchenweise kommen neue Einsatzszenarien dazu. Im Extremfall via PC-Kamera bis ins eigene Schlafzimmer.

Datenschutz wird in unseren Praxen grossgeschrieben. Denn das Recht auf Privatsphäre ist fundamental. Das unterschreiben wir doppelt.
Hier gehts nicht um unsere Schweigepflicht als Therapeuten, die ist für uns so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche.

Schutz der Klientendaten noch gewährleistet

Es geht hier um den sensiblen Umgang mit Patienten- und Klientendaten im Allgemeinen. Seit Anfang dieses Jahres verlangen beispielsweise die Krankenkassen, dass im Bereich der Physiotherapie elektronisch abgerechnet wird. Das bedeutet, dass die Abrechnungsdaten und Verordnungen nun an den Hersteller unserer Abrechnungs-Software übermittelt werden müssen und dieser schickt sie weiter zu einer Firma, die das alles dann der richtigen Kasse zustellt.
Schön für die Umwelt, es braucht kein Papier mehr. Von der Datensicherheit her sind der Übermittlungsweg und die involvierten zwei Firmen – NOCH – unbedenklich.

Stasi auch im Schweizerland

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb hier ein NOCH steht. Das ist schnell erklärt: In der letzten Session haben National- und Ständerat das neue Nachrichtendienstgesetz (NDG) verabschiedet.
Tritt es in Kraft, so bekommen staatliche Organe einen Freipass, um überall da elektronisch rumzuschnüffeln, wo etwas sein könnte. Zwar begrenzt das Gesetz anfangs die Einsatzgebiete doch liegt es auf der Hand, dass per Salamitaktik (und führen uns unsere Politiker immer wieder vor Augen) in kurzer Zeit einfach jeder und alles bespitzelt wird.
Sei es durch Datenspeicherung auf Vorrat, sei es durch das Implementieren eines Trojaners auf Ihrem PC, der es den Möchtegern-Bonds ermöglicht, via Kamera Ihres Rechners direkt in Ihr Wohnzimmer zu gucken und auch grad mitzuhören, was Sie da so reden.
Und unsere gesicherten Patientendaten? Nun die sind dann halt auch nicht mehr sicher. Weil die Staatshacker da auch hineingreifen können.

Cinceras halblegalisierter Papieraufwand

Wer heute 50+ Jahre jung ist, erinnert sich sicher noch an die Affäre Cincera. 1976 knackten Aktivisten das Archiv des selbsternannten Subversivenjägers Oberstleutnant Ernst Cincera in Zürich. In diesem Archiv waren Tausende von Fichen, die der unermüdliche Lokalpatriot über irgendwelche Menschen angelegt hat, die nicht der stramm politischen Einstellung der damaligen Zeit entsprochen haben. Diese Daten hat er unter anderem Firmen zur Verfügung gestellt, bei denen sich solche Menschen beworben haben und hat so vielen Leuten, die sich nichts zuschulden kommen liessen, einfach mal auf Verdacht hin die Karriere zerstört.
Ende der 90er des letzten Jahrhunderts kam auch ans Tageslicht, das staatliche Organe seit 1900 über 900’000 Fichen angelegt hatten. Nicht nur über politisch „bedenkliche“ Menschen. In Zürich führte die Stadtpolizei ein „Schwulenregister“, in dem Homosexuelle gezielt erfasst und überwacht wurden.
Frei nach dem Film „Casablanca“: „Schaffen Sie die üblichen Verdächtigen her.“

Daten werden heute im Nu abgegriffen

Wohlverstanden, damals steckten die Computer noch in den Kinderschuhen. Heute ist es mit etwas Hackerkunst viel einfacher, Daten aller Art zu stehlen.
Klar, auch Facebook und Google sammeln Daten. Nur können Sie selber entscheiden, ob Sie einen entsprechenden Account anlegen und so das Sammeln und Auswerten in Kauf nehmen – oder eben nicht. Zudem entscheiden Sie, ob Sie etwas posten oder nicht.
Die Staatschnüffler holen sich das alles direkt von Ihrem PC, ob Sie wollen oder nicht. Weil sie das gar nicht merken.

Ja, auch ich habe nichts zu verbergen. Bin ich deshalb vor den Staatshackern sicher? Mitnichten, denn wer weiss, aus was für einem Anlass – vielleicht durch eine Verkettung von Zufällen – ich in deren Visier gerate.

Das Fazit der Sache gipfelt in der einfachen Frage: „Soll dieses neue Gesetz Wirklichkeit werden oder nicht?“

Wenn Sie so wie ich der Meinung sind, dass sich so etwas schlicht nicht gehört, so haben Sie die Möglichkeit, das Referendum gegen die Macht, die Einzelne so bekommen, zu ergreifen.
Klicken Sie hier und holen Sie sich Unterschriftenbögen.
An der Urne liegt es dann am Volk, Ja oder Nein zu sagen. Und genau diese Möglichkeit steht uns zu. Nutzen Sie die Chance, Ihre Privatsphäre zu verteidigen.

 

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