„Im Wort liegt die Kraft“ – wirklich?

Geschrieben von am 24. Januar 2014 | Abgelegt unter Coaching, Hanspeter Eberle, Kommunikation, Kultur, Mentaltraining, Psychologie, Sprache

„Im Wort liegt die Kraft“. Den Satz habe ich irgendwann in meiner Jugend in der Kirche gehört.
Es liegt nahe, dass Worten eine Kraft innewohnt – weil Worte immer etwas bewirken.
Doch die eigentliche Kraft liegt im Verborgenen.
Vilfredo Pareto und Sigmund Freud haben mit Ihren Beobachtungen den Grundstein zu dieser Behauptung gelegt.

Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto (1848 – 1923) hat anhand statistischer Werte über die Verteilung von Eigentum die 80/20-Regel beobachtet. Vereinfacht ausgedrückt heisst das, dass 20% Einsatz 80% Wirkung erzeugen. Zum Beispiel

  • 20% der Kunden erzeugen 80% des Umsatzes
  • 20% der Angestellten generieren 80% des Gewinnes
  • 20% Zeit-Einsatz erledigt 80% der Aufgaben
  • 20% der Produkte erzeugen 80% der Verkäufe

In der Natur lässt sich dasselbe Phänomen bei Eisbergen beobachten: 20% sind sichtbar, 80% liegen unter der Wasseroberfläche.

Sigmund Freud und der Eisberg
Der österreichische Psychiater Sigmund Freud (1856 – 1939) postulierte die allgemeine Theorie der Persönlichkeiten und ihre Wirkung auf die zwischenmenschliche Kommunikation.

eisberg

Nach seinem Modell ist der grösste Teil dessen, was die menschliche Psyche ausmacht, in den Tiefen des Unbewussten versteckt.
Das hat zur Folge, dass Menschen, die miteinander kommunizieren, gerade mal die von Pareto postulierten 20% sichtbar machen. Sind die subjektiven Befindlichkeiten – die 80% unter der Wasserlinie – im Ungleichgewicht, so beeinflussen sie entscheidend die sichtbaren 20%.
Salopp ausgedrückt: Ist das Innenleben in Disharmonie, kann einer erzählen was er will – es kommt beim Gegenüber anders an als geplant.
Diese Erkenntnis wird als „Eisbergmodell der Kommunikation“ bezeichnet.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“
Paul Watzlawick (1921 – 2007) beobachtete als Professor für Psychotherapie das Kommunikationsverhalten seiner Klientel und hat daraus ein paar praktikable Grundsätze abgeleitet. Zwei davon halte ich für besonders wichtig:

„Man kann nicht nicht kommunizieren“. Sobald zwei Menschen einander wahrnehmen, beginnen sie zu kommunizieren. Selbst dann, wenn keiner der beiden einen Ton sagt. Allein das ist schon Kommunikation.

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt.“ Der Inhaltsaspekt ist das sachliche „Was“ einer Mitteilung. Der Beziehungsaspekt signalisiert, wie der Sender dieses „Was“ vom Empfänger verstanden haben will.
Gelungene Kommunikation ist dann, wenn der Empfänger die Botschaft so versteht, wie der Sender sie sendet.
Die Kommunikation geht dann in die Hosen, wenn der Sender unterschiedliche oder gegensätzliche Botschaften sendet, oder wenn der Empfänger einen der beiden Aspekte anders interpretiert.

Der langen Rede kurzer Sinn: Sei Dir bewusst, dass das, was Du mitteilst, entscheidend von Dingen beeinflusst wird, die in Deinem Unterbewusstsein schlummern. Damit Deine Botschaft „richtig“ ankommt, musst Du Mittel und Wege finden, um Dir Deine 80% unter der Wasserlinie zu Helfern zu machen.

Mach einfach Menschen glücklicher

Das erste Experiment, zu dem ich Dich einlade, hat es in sich.
Achte bis zum nächsten Blogeintrag darauf, das Wort „aber“ gegen ein „und“ auszutauschen.
„Aber“ wertet das ab, was Du zuvor gesagt hast. Oder noch etwas krasser: Alles vor dem „aber“ ist gelogen.

Beispiel gefällig? Wie fühlst Du Dich, wenn ich Dir dieses Kompliment mache: „Du hast einen tollen Haarschnitt aber die Farbe passt nicht dazu“.

Und wie fühlst Du Dich dabei: „Du hast einen tollen Haarschnitt und mit einer etwas helleren Farbe kannst Du Deine dunklen Augen noch besser zur Geltung bringen“.

Mach es einfach mal und nimm wahr, wie Deine Umgebung darauf reagiert.

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3 Kommentare zu “„Im Wort liegt die Kraft“ – wirklich?”

  1. am 26. Januar 2014 um 14:52 1.susan bertele schrieb …

    Hallo und das ist ja spannend, denn gerade hatte ich mich entschlossen, Euch etwas mitzuteilen.
    Gestern nach meiner wunderbar schönen und einsamen Wanderung im frischverschneiten Kemptnertobel entlang des munter murmelnden und zeitweise laut gurgelnden Wildbaches, bin ich —-oben angekommen und wieder auf dem Asphalt—–auf einer unsichtbar eisigen Stelle ausgerutscht.Weil meine beidenISG neuerdings funktionieren können und die Muskulatur ringsherum auch arbeiten kann anstatt verkrampft zu sein,ist nichts passiert. Und das habe ich Euch zu verdanken und ich bin so froh mit diesem neuen Körpergefühl.
    Gute Zeit und bis bald Susan

  2. am 19. März 2014 um 16:22 2.Unter die Wasserlinie gucken | Mehr Lebensfreude - noch bessere Gefühle schrieb …

    […] Kommunikation Teil 1: Im Wort liegt die Kraft […]

  3. am 8. April 2014 um 22:37 3.Franz Josef Neffe schrieb …

    COUÉ hat es noch deutlicher und vor allem praktischer als FREUD gezeigt, worum es geht:
    Mit unserem beschränkten bewussten Verstand können wir gerade mal EINEN Gedanken auf einmal denken.
    Es dürfte jedem klar sein, warum infolgedessen alle wichtigen Lebensfunktionen dem direkten Zugriff durch den bewussten Verstand entzogen sind. Wir hätten keine Überlebenschance, wenn wir auch nur die Verdauung mit unserem bewussten Verstand steuern müssten.
    Alles Entscheidende geschieht – zu unserem Nutzen – im UNBEWUSSTEN.

    Watzlawick kannte sich gut aus mit Coué.
    Dass der Mensch nicht nicht kommunizieren kann, bedeutet andersherum, dass es stets Wirkung von und zu ihm gibt, viel mehr als er bewusst erkennen kann.
    DAS UNBEWUSSTE kennt diese Wirkungen alle und kann auch mit allen umgehen. Wenn wir also etwas bewirken wollen, tun wir gut daran, COUÉs Rat zu folgen und mit den FEINEN geistig-seelischen Kräften in uns FEIN umgehen zu lernen.
    Mit einer groben, plumpen, Druck machenden Papierpädagogik erreichen wir – wie gut zu beobachten ist – nur das Gegenteil. COUÉS GESETZ der das Gegenteil bewirkenden Anstrengung zeigt einfach, wie gesetzmäßig unsere Misserfolge wachsen und wie wir diese Zunahme der VERwicklungen in eine echte ENT wicklung umkehren können.
    LERNEN ist in dem Fall echte LÖebenshilfe.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

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