Geschichten spannend und authentisch erzählen

Geschrieben von am 28. Mai 2014 | Abgelegt unter Erzählungen und Geschichten, Hypnose, Kommunikation, Psychologie, Sprache, Systemische Arbeit

Du kennst sicher jemanden, der einfach gut erzählen kann. Seine Erzählungen kommen so gut herüber, dass Du sie einfach glaubst und begierig bist, noch mehr zu erfahren. So unwahrscheinlich die Geschichten auch klingen mögen.
Andererseits hast Du vielleicht selber schon eine erfundene Geschichte als wahr verkaufen wollen und kaum erzählt, hast Du schon gespürt, dass Dein Gegenüber Dir nicht glaubt.
In diesem Artikel zeige ich Dir eine Strategie, wie Du Deine Glaubwürdigkeit dramatisch erhöhen kannst.

„Ich war gerade 11 Jahre alt, als im Zürcher Kongresshaus der grosse Eltern-Unterhaltungsabend der Zürcher Pfadfinder stattgefunden hatte. Und ich, einer der kleinsten Pfadis war dazu auserkoren, als „Reiseleiter“ durch den Abend zu führen.
Wir hatten intensiv geprobt und mit jedem Tag, den der Abend näher rückte, rutschte mir das Herz ein wenig mehr in die Hose.
Und dann war es soweit. Der Saal füllte sich mit Eltern bis auf den letzten Platz. So an die 1’000 sind es wohl gewesen. Meine Pfadifreunde und ich guckten durch einen Spalt im Vorhang in den Saal – dann uns an – und die Nervosität wuchs sekündlich.
Weiss ich wirklich, was ich sagen muss, wenn ich dann draussen auf der Bühne stehe? Mein Herz schlägt, ich schwitze und überlege mir, ob ich mich einfach davonschleichen soll. Es gibt ja einen Ersatzpfadi für mich…
Und sind diese Stimmen in mir. Deine meint, ich solle kein Frosch sein, die andere fordert mich auf, zu kneifen. Letztlich gewinnt die „Sei kein Frosch“-Stimme und zugleich kommt mein Einsatz-Signal.
Ich trete vor den Vorhang, die Scheinwerfer blenden, ich sehe die Zuschauer nicht und doch spüre ich den Saal voller Leute.
Ich beginne mit meinem eingeübten Begrüssungstext und nach zwei Sätzen sprudeln die Worte nur so aus mir heraus. Zwar nicht das, was ich mühsam auswendig gelernt habe, dafür viel besser.
Und auf einmal bin ich fertig und will wieder hinter den Vorhang. Da beginnen die Menschen im Sall zu klatschen, zu pfeifen und trampeln auf den Boden.
Ich bleibe stehen und spüre, wie mich eine art Glückswelle überflutet, wie ich mit meinen 11 Jahren gross und immer grösser werde.
Doch dann muss ich abtreten, weil der Tätschmeister ruft, es gehe gleich weiter.
Und jede Nummer, die ich an diesem Abend angesagt hatte, ging besser und besser. Ich hätte das noch stundenlang machen können, doch irgendwann war der Anlass zu Ende.
Später dann habe ich von vielen Eltern Komplimente bekommen. Die gingen mir runter wie Honig und nach diesem Abend wusste ich eins ganz klar: Das will ich wieder und wieder erleben.“

Wahrheit oder Dichtung?

Hat Dich die Geschichte ins Geschehen gezogen? Stell Dir vor, Du hättest Sie nicht nur gelesen sondern ich hätte sie live erzählt. Mit allen den beschriebenen Emotionen in meiner Mimik, Gestik und Tonlage. Ziemlich sicher würdest Du die Geschichte bedenkenlos glauben. Weil ich immer wieder erlebe, dass andere genau so reagieren, wenn ich sie erzähle.
Nun, was ist wahr daran? Nur ein Körnchen. Nämlich das, dass ich an jenem Unterhaltungsabend tatsächlich der Conférencier war und gerade mal für 30 Sekunden auf der Bühne das Publikum begrüsst habe. Diese Rolle wurde mir zugewiesen, weil ich in den „richtigen“ Theaterstücken wegen zu jung nicht zu gebrauchen war und so wurde dieser Job für mich erfunden.
Warum ist die Geschichte dennoch authentisch? Weil sie im Kern der Wahrheit entspricht und ich sie nur etwas zurechtgebogen habe.

Die Bühnen wechseln

Hätte ich die Geschichte von A bis Z erfunden, so wäre sie mit grösster Wahrscheinlichkeit flach und irgendwie seltsam bei den Zuhörern oder Lesern angekommen. Unter anderem deshalb, weil ich in einer 100% erfundenen Geschichte von Emotionen schreiben würde, die ich nur vom Hörensagen kenne. Das bewirkt, das die Authentizität der Erzählung verloren geht.
Reduziere ich die Geschichte auf ein absolutes Minimum, so bleiben als Bodensatz die Emotionen übrig. Diese Emotionen kann ich nun in andere Situationen, Zusammenhänge oder Geschichten bringen.
Denn die Pfadi-Bühne passt nicht immer. Wenn ich mit Leuten Präsentationstraining mache, so wird aus der Pfadi-Bühne die Blitzanfrage eines Klienten, ob ich wohl mal eben für einen Referenten einspringen könnte, der gerade erkrankt ist. Und ich erzähle dann eine Geschichte, wie es mir ergangen ist, nachdem ich spontan zugesagt hatte. Auch das kommt gut rüber, weil ja eine Wahrheit dahintersteckt.

Hypnose lässt grüssen

Bei Kindern funktionieren Geschichten noch besser als bei Erwachsenen. Zudem sind Kinder ein Gradmesser dafür, ob Du authentisch bist oder nicht. Hören sie Dir gebannt zu, hast Du gewonnen.
Die Pfadi-Geschichte brauche ich oft dann, wenn ich ein ängstliches Kind ermutige, Dinge zu tun, vor denen es Angst hat, wie etwa vor einer Gruppe in der Schule einen Vortrag halten.
Weil Kinder sofort in eine gute Geschichte eintauchen und sowieso sehr oft in einem veränderten Bewusstseinszustand sind, „installiert“ die Geschichte ganz von allein einen Wandel von der Angst zum Selbstvertrauen.

Was, wenn es nicht funktioniert?

Übung macht den Meister. Nimm also diese Strategie und erzähle Deine eigenen „wahren“ Geschichten. Beobachte dabei, wie Deine Zuhörer reagieren und wie Du Dich selber beim Erzählen fühlst.
Manchmal kannst Du einen Widerstand oder etwas wie ein schlechtes Gewissen in Dir spüren.
Dann bist Du mit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine Blockade gestossen, die Dich daran hindert, frei und authentisch zu sein. Das kann die Strategie als Ganzes betreffen oder den Kontext, den Du in Deine Geschichte gibst.
Das, was Du da wahrnimmst, ist ein Teil des Eisbergs unter der Wasserlinie.
Du erinnerst Dich: 80% Unsichtbares steuert 20% Sichtbares.
Es gilt also, an den 80% die Blockaden zu lösen, so dass Du Deine Ausstrahlung wie von selber veränderst. Am einfachsten geht das mit Hypnose. Diese Erfahrung mache ich immer wieder, wenn ich mit Menschen an deren Themen arbeite.
Ein gutes System dafür, findest Du, indem Du HIER klickst.

Kommunikation Teil 1: Im Wort liegt die Kraft – wirklich?

Kommunikation Teil 2: Unter die Wasserlinie gucken

 

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